MBA: Alles eine Frage der Qualität?

„Für Bewerber ohne akademischen Grad ist der Zugang zu einem MBA Programm nicht kategorisch ausgeschlossen, jedoch müssen solche Bewerber herausragende berufliche Leistungen im Geschäftsleben nachweisen“, so die Werbung einer Österreichischen Business School.
Von Dipl.-Päd. Detlev Kran, MBA
Detlev Kran ist Autor des jährlich erscheinenden MBA-Guide und Inhaber der Bildungsconsultingagentur EDUCATIONCONSULT
MBA-Studenten, die zurzeit mit dem Studium starten, haben es nicht leicht. Sie müssen nicht nur die Entscheidung über das Studienfach treffen, sondern auch die Frage über den passenden Abschluss und die der passenden Hochschule für ihre weitere Karriereplanung beantworten. Und sie sollen beurteilen können, welche Studienangebote wie gut sind. Ganz schön viel verlangt.
Zum MBA-Angebot der verschiedenen österreichischen Bildungseinrichtungen gehören Studiengänge für Vollzeit-, Teilzeit- und Fernstudium im Master of Business Administration – in drei Kategorien:
  1. Der klassische „General Management“ MBA, der Nichtökonomen das betriebswirtschaftliche Rüstzeug vermittelt.
  2. Der spezialisierte MBA, der Spezialisten fachliche und exekutive Fähigkeiten beibringen will.
  3. MBA Programme, die auch Bewerber ohne formale Ausbildung auf tertiärem Niveau aufnehmen.
In der Regel sind die Voraussetzungen für viele österreichische MBAs ein erster Hochschulabschluss, Eignungsnachweise, Eignungs- (GMAT) und Fremdsprachentest (TOEFL) und in einigen MBA-Studiengängen auch bereits Vorkenntnisse im entsprechenden Fachbereich.
In einigen Studienangeboten sieht es aber anders aus. Hier ist der Zugang zu einem MBA auch ohne ersten Hochschulabschluss möglich, obwohl im Rahmen des Bolognaprozesses eigentlich für das Erreichen der Masterstufe ein erster Hochschulabschluss vorgesehen ist. Ob ein Anerkennungsverfahren in der Form: „Ja, erbrachte berufliche Leistungen werden durch den wissenschaftlichen Leiter angerechnet, wenn sie in Art, Form und Umfang vergleichbar sind“ einer validen Prüfung standhält, ist zu bezweifeln. Einhelliger Wunsch der Europäischen Bildungsminister ist es zwar, den Zugang zu einem Hochschulstudium zu erleichtern, doch: Hier leidet gelegentlich die Qualität, denn die Kriterien, nach denen gehandelt wird, werden immer undurchsichtiger.

Neuer MBA-Zugang: Berufserfahrung

In Deutschland gehen einige Bundesländer nun auch diesen Weg. Rheinland-Pfalz und Schleswig Holstein erlauben, dass für einen MBA der Bachelor durch mindestens fünf Jahre Berufserfahrung ersetzt wird. Die Hochschule muss in einem Verfahren prüfen, ob die Berufserfahrung und ggf. Weiterbildungen die Qualifikationen eines Bachelor ersetzen. Derzeit sieht es so aus, dass die Hochschulen planen, einen Bachelor-Studiengang als Vergleichsbasis zu nehmen und der Interessent nachweisen muss, ob er die, in den Modulbeschreibungen des Bachelor genannten, Qualifikationsziele erreicht hat.
In Großbritannien ist dieses Verfahren schon seit Jahren möglich. Ein seriöser Anbieter, der Kandidaten ohne akademischen Grad, aber mit solider Managementerfahrung, den Abschluss eines MBA ermöglicht, ist z.B. die Open University. Hier muss der Interessent zunächst ein „Professional Certificate in Management“ bestehen und kann dann das reguläre Programm bestreiten. Die Dauer des Programms bis zum MBA-Abschluss beträgt dann etwa 4 Jahre. Für Studenten der Betriebs- oder Volkswirtschaft besteht teilweise die Möglichkeit, bereits nach dem Vordiplom (oder Vordiplom + 2 Semester) zu einem MBA in Großbritannien zugelassen zu werden.
In den USA ist dagegen oft der Ausweis, dass „berufliche Leistungen ein Hochschulstudium ersetzen“, ein Zeichen, dass man es hier mit einer Titelmühle zu tun hat.

Qualitätsprodukt MBA

Festzuhalten ist: Weiterbildung ist wichtig. Ein Studium auf Hochschulniveau noch wichtiger. Heute reicht es aber nicht mehr, allein zu wissen, an welcher Hochschule jemand studiert hat. Die Inhalte, die vermittelten Qualifikationen und Kompetenzen der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge treten als weiteres bestimmendes Merkmal in den Vordergrund. Und für Studenten ist die Information darüber, was sie mit einem bestimmten Abschluss erreichen können, wichtiger denn je. Für alle Interessierten sind sowohl der deutschsprachige MBA-Markt mit rund 370 Vollzeit-, Teilzeit-und Fernstudienprogrammen als auch der internationale MBA-Markt mittlerweile völlig unübersichtlich geworden: 1.500 bis 2.000 Anbieter mit rund 4.000 bis 5.000 MBA-Programmen insgesamt buhlen um die Gunst der Kunden.
Doch woran erkennt man ein gutes MBA-Programm genau? An der Akkreditierung einer Hochschule, an den hohen Preisen, an der lautesten Werbung im Internet und in der Presse? Auch im Bildungsmarkt gelten eben die Marktgesetze – Aufklärung tut not. In Österreich liegen die Programmkosten im Schnitt bei 22.000 Euro. Die Anzahl der Studienplätze beträgt derzeit über 600. Das Durchschnittsalter der Studierenden liegt bei 33,8 Jahren (Vollzeit: rund 31 Jahre), die durchschnittliche Berufserfahrung bei ungefähr neun Jahren (Vollzeit: bei sechs Jahren). Der Anteil der Frauen beträgt 32 Prozent. Die Gesamtzahl der österreichischen Absolventen wird von den österreichischen Anbietern mit rund 4.000 angegeben.
Einheitliche Qualitätsstandards für die Vielzahl an Angeboten – mit Kosten von bis zu 45.000 Euro – existieren derzeit nicht, muss man auch im Wissenschaftsministerium eingestehen. Allerdings sind derzeit 33 MBA-Programme durch die FIBAA (Foundation for International Business Administration Accreditation) akkreditiert. Die österreichischen FIBAA-akkreditierten Programme sind im Internet
(www.fibaa.de) einsehbar. Über anerkannte Privatuniversitäten finden Sie Infos unter:
www.akkreditierungsrat.at
Quelle: Karriereführer 2010
Autor: red.